Freitag, 23. Dezember 2016

Matthias Bürgel





*** Projekt Goliath ***
von
Matthias Bürgel


Thriller
erschienen
am 10. August 2016
Books on Demand




Klappentext
lt.amazon.de
Ein führender IS-Terrorist, dessen Ziel es ist, einen globalen Islamischen Staat zu etablieren, gelangt in den Besitz eines todbringenden Erregers. 
Damit infizierte IS-Kämpfer tragen die todbringende Krankheit, unerkannt in der Masse des Flüchtlingsstroms, nach Europa. Eine Pandemie ungeahnten Ausmaßes bedroht die Menschheit.




Info´s zum Autor



Autor: Matthias Bürgel
Geboren: 15. Juni 1970 in Pfullendorf 
Familienstand: verheiratet
Kinder: Sohn (25, Biologe) / Tochter (19, Schülerin)
Beruf: Kriminalbeamter (Dipl. VW. FH Pol.)
Werdegang:03.1991 – Eintritt in die Polizei
    09.1996 – 07.1999 Fachhochschulreife
  10.2002 – 06.2005 Studium an der FHPol
   Seit 2006 Kriminalbeamter



Ich bin 45 Jahre alt und seit über 25 Jahren Angehöriger der Polizei Baden-Württemberg. Seit mehr als zehn Jahren arbeite ich in den unterschiedlichsten Bereichen der Kriminalpolizei. Aktuell leite ich eine Dienstgruppe beim Kriminaldauerdienst. 
Ich schreibe seit etwa zehn Jahren und habe am 10. August 2016 meinen Debütroman «Projekt Goliath« veröffentlicht (BoD). 
Derzeit arbeite ich an meinem zweiten Thriller (Akte Kronos), der nach jetziger Planung bis  März 2017 fertiggestellt sein soll. 



Leseprobe

*Projekt Goliath*

Prolog

Er kotzte sich die Seele aus dem Leib. Jedes Mal, wenn er glaubte, es ginge wieder, überkam ihn ein neuer Brechreiz. Er würgte und sein Magen zog sich schmerzhaft zusammen. Er spuckte, wie er annahm, die letzten Reste seines Mageninhaltes, gemischt mit bitterer Galle aus. Schlieren von Blut mischten sich mit dem Erbrochenen und rannen zäh in den Ablauf des Edelstahlwaschbeckens. Seit gut einer Stunde belegte er nun schon die Bordtoilette. Die Anweisungen des Flugkapitäns, die Plätze wieder einzunehmen, die Anschnallzeichen und die Anweisungen der Bord Crew zu beachten, hatte er ignoriert. Er konnte unmöglich seinen Platz einnehmen und nach einiger Zeit war auch das wütende Klopfen der Flugbegleiterin verebbt. Sie befanden sie sich im Landeanflug auf Madrid. Es erforderte seine ganze ihm verbliebene Kraft sich gegen die Schwerkraft, des sich im Sinkflug befindlichen Jets zu stemmen. Seine Firma hatte ihn vor vierzehn Tagen für Verhandlungen nach Sierra Leone geschickt. Die Verhandlungen über den Bau eines Solarparks, welche dem Land weitere sechs Megawatt Leistung bringen, und so die Stromversorgung Sierra Leones sichern sollten, gestalteten sich zäher als er erwartet hatte. Schon beim ersten Treffen mit den verantwortlichen Projektleitern in Freetown wurde ihm bewusst, dass es ihn, bzw. seine Firma einiges kosten würde, den Vertrag für den Bau des Solarparks an Land zu ziehen. Er machte großzügige Geschenke, führte sie zum Essen in die gediegensten Restaurants Freetowns aus und Abend für Abend feierten sie mit 7 Edelnutten in einem teuren Nachtclub unweit des Regierungsgebäudes. Nach neun Tagen hatte er sie schließlich so weit, dass sie die Verträge unterzeichneten. Der größte Abschluss seiner Karriere. Seine Vorgesetzten in der Madrider Zentrale waren mehr als zufrieden. Er hätte seinen Erfolg gerne gebührend gefeiert, aber als er schließlich in sein Hotelzimmer zurückkam fühlte er sich matt und fiebrig. Er schrieb es den langen Tagen und noch längeren Nächten der vergangen zwei Wochen zu und entschied dies, sofort nach seiner Ankunft in Madrid nachzuholen. Plötzlich durchfuhr ein ruckeln die Maschine als diese mit quietschenden Reifen auf dem Rollfeld des Madrider Flughafens aufsetzte. „Reiß dich zusammen“, ermahnte er sich, und wandte sich dem Spiegel zu. Sein Gesicht war fahl und wächsern, dunkle Ringe unter den Augen. Mit beiden Händen spritze er sich, so gut es ging, Wasser in sein Gesicht während die Maschine rapide an Geschwindigkeit verlor und eine langgezogene Kurve beschrieb. Beinahe hätte er das Gleichgewicht verloren. Gerade als er sich das Gesicht trocken getupft und die Krawatte zu Recht gerückt hatte, kam das Flugzeug mit einem sanften Ruck zum Halten. Er wandte sich der Türe zu und griff nach der Entriegelung. „Was zum…“, fluchte er. Ungläubig betrachtete er das Blut an seinen Händen. Er wandte sich seinem Spiegelbild zu und erschrak. Blut troff aus seinen Augen, das in dicken, zähen Tränen seine Wangen hinab lief, ebenso rannen kleine Rinnsale Blutes aus seinen Ohren. Als er an sich hinunter blickte hatte sich eine Pfütze schmutzig, braunen, übel riechenden Blutes zu seinen Füßen gebildet, welches warm an seinen Beinen hinunter lief. Eine Angst, die er noch nie gespürt hatte überkam ihn. Todesangst! Die enge WC Kabine begann sich wild um ihn zu drehen. Verzweifelt versuchte er irgendwo halt zu finden. Die Welt schien alle Konturen und Farben verloren zu haben, ihm wurde schwarz vor Augen. Er verlor das Bewusstsein und schlug hart auf der Toilette auf. Die Welt war dunkel.

Solna - Stockholm 

Der Verkehr floss zäh an diesem Morgen. Patrick Sprenger scherte aus der Kolonne aus und lenkte den Wagen an den rechten Straßenrand. Wie jeden Morgen hielt er an dem kleinen Laden in der Torsgatan, um sich einen Cappuccino und eine deutsche Tageszeitung zu kaufen. Als er die Ladentüre öffnete, bimmelte hell die kleine blaue Glocke über der Türe. Er mochte das Glöckchen. Es war so nostalgisch wie der Rest des Ladens. Es war, wie man sich einen Tante-Emma Laden vorstellte. Auf einem Regal hinter dem Tresen standen verschiedene Tiegel, Dosen und Gläser mit Gewürzen, von denen er nicht mal die Hälfte kannte. Es roch nach frisch gebackenem. Aus einem Hinterzimmer trat eine ältere Frau, die ihn freundlich anlächelte als sie ihn erkannte. „Guten Morgen!“, trällerte sie auf Englisch. „Wie jeden Morgen?“ Sie wusste mittlerweile, dass er kein Schwedisch sprach. „Ja gerne, und eine Frankfurter Allgemeine“, bat er. Er beobachtete, wie sie geübt und mit flinken Fingern die alte Kolbenmaschine bediente. Sie schäumte die Milch auf, als sich der Kaffee grunzend und gurgelnd in den Pappbecher darunter ergoss. Routine und festgefahrene Rituale waren ihm eigentlich zuwider, aber der morgendliche Besuch in diesem Laden war in den letzten Monaten für ihn zu einer festen Gewohnheit geworden, die eigentlich nur durch die Wochenenden unterbrochen wurde. Es war dort ausgesprochen heimelig und es linderte sein Heimweh, das er in den letzten Wochen phasenweise verspürte. Sie reichte ihm den Cappuccino über den Tresen und er stellte sich an einen der beiden Stehtische, die an einem der großen Fenster standen. Gedankenverloren beobachtete er den Verkehr, und die Fußgänger, die an dem Laden vorbei eilten. Er musste sich erst an die neue Situation gewöhnen. Das Heimweh würde nachlassen. Trotz der Euphorie und Freude, ans ECDC berufen worden zu sein, vermisste er seine Eltern und Freunde sehr. Vor sechs Monaten war er nach Solna gekommen. Nachdem er das Haus, das ihm das ECDC besorgt hatte, eingerichtet hatte, zogen Alina und Chloé zu ihm nach. Chloé war zur Welt gekommen, als er noch am Max-Planck-Institut in Tübingen an seiner Promotion arbeitete. Alina hatte ihr Studium bereits abgeschlossen und arbeitete halbtags als Lehrerin. Das Europäische Zentrum für Prävention und Kontrolle von Krankheiten war auf ihn Aufmerksam geworden, nachdem er einige Facharbeiten in diversen Journalen publiziert hatte. Er hatte sich eigentlich am Max-Planck-Institut nicht unwohl gefühlt und sicherlich hätten sie ihm nach der Promotion eine lukrative Stelle angeboten, aber das Angebot des ECDC war zu verlockend. Selbst Alina, der der Gedanke, ihre gewohnte Umgebung verlassen zu müssen, ein Grauen war, musste eingestehen, dass das Angebot, für die größte und wichtigste Europäische Gesundheitsbehörde zu arbeiten, ungeahnte Chancen und Möglichkeiten eröffneten. Sie hatten viele Abende darüber diskutiert. Alina willigte schließlich ein, stellte aber die Bedingung, dass sie wieder stundenweise arbeiten wolle. Eine Woche später teilte er der Direktorin des ECDC mit, dass er sich geehrte fühle und das Angebot gerne annehme. Schon wenige Wochen später, fand sie eine Stelle an einer Deutschen Schule in Stockholm, an der sie fünfzehn Stunden die Woche Deutsch unterrichtete. Das Hupen eines vorbeifahrenden LKW riss ihn aus seinen Gedanken. Er lächelte still in sich hinein. Nie hätte er gedacht, nach dem Studium eine solche Stelle zu bekommen. Seine größte Sorge galt immer seiner kleinen Familie. Würde er nach dem Studium in der Lage sein, sie angemessen zu versorgen? Durch die staatlichen Studien und Lehrförderung waren natürlich beachtliche Schulden zusammen gekommen. Klar, es ging vielen Akademikern ähnlich, dennoch bereitete es ihm Unbehagen. Er sah auf die Uhr. Er hatte noch Zeit. Er würde das ECDC in weniger als 10 Minuten erreicht haben. Er bezahlte und verließ den Laden. Die Ladenbesitzerin lächelte ihm nach.


Damaskus – Syrien قѧѧدمش - 
Einige Tage zuvor 

 Er hatte soeben sein Nachtmittagsgebet beendet und setzte sich zufrieden im Schneidersitz auf das Sitzkissen. Es herrschte immer noch eine drückende Hitze, weshalb er sich gebot im Haus zu verweilen. Früher liebte er die Wärme, mittlerweile setzten ihm der Staub und die Hitze mehr zu, als er sich eingestehen wollte. Wie immer zu den Gebeten waren der Lärm und das Treiben für eine kurze Zeit verstummt. Aber bald würde das übliche Treiben auf den Straßen Damaskus´ wieder einsetzen und der damit verbundene Lärm aufbranden. Er klatschte in die Hände und ein sehr junger Diener eilte in den Raum. „Hukka und Çay“, raunte er. Wenige Augenblicke später kehrte der Junge zurück und servierte seinem Herrn Tee und eine Wasserpfeife, welches er beides vorsichtig auf einem kleinen Holztischchen neben ihm abstellte, woraufhin er sich wortlos entfernte. Er nahm das Glas auf und atmete mit geschlossenen Augen den Duft des mit Ceylon Zimt aromatisierten Tee´s ein. Er betrachtete die rissige, braune Ledermappe, die vor ihm lag. Bedächtig öffnete er den Verschluss, und entnahm ihr einen Stapel Papier, den er sorgfältig vor sich ausbreitete. Er sog bedächtig an seiner Wasserpfeife während er die Unterlagen studierte, die Salim ihm gemailt hatte. Salim hatte gute Arbeit geleistet. Vor ihm lagen mehrere Seiten engbeschriebenen Papiers, Ausdrucke von Stadtplänen und Bilder mehrerer Gebäude. Er hatte Salim beauftragt, ihm so viel wie möglich an Informationen zu beschaffen. Er blies den Rauch seiner Pfeife aus und nippte an seinem Teeglas. Er griff sich eines der Fotos, die zu seinen Füßen lagen und studierte das Gesicht des jungen Mannes. Eine blonde, auffallend schöne Frau, stand eng an seiner Seite und hielt strahlend ein Kleinkind im Arm. Ein Lächeln spielte um seinen Mund. Er brummte zufrieden.


Ravensburg

Froh, endlich zu Hause zu sein, warf David achtlos seinen Schlüsselbund auf die Bar in der Küche, streifte seine Umhängetasche ab und ließ sich im Esszimmer auf einem Stuhl nieder. Er beugte sich vorn über, um seine Stiefel aufzuschnüren. Etwas behinderte ihn. Ihm wurde bewusst, dass er noch seine Waffe trug und ärgerte sich, dass er vergessen hatte, sie auf der Dienststelle im Waffenfach zu verstauen. Seufzend erhob er sich, zog die Waffe aus dem Holster, ließ das Magazin aus dem Griff gleiten und verstaute sie im Tresor im Büro.