Freitag, 9. Dezember 2016

M.W. Schwarzbach *2*



*** Linksrechtsobenunten ***
M.W. Schwarzbach
Jugend-Fantasy 
(erreicht aber auch durchaus die Erwachsenen)
Band 2 der Wolkenkrieger-Reihe
erschienen am 27.09.2016 (Ebook)
im Frühjahr 2017 erscheint das Taschenbuch
im Mainbook Verlag



Klappentext 
lt.amazon.de
Band 2 „Der neue König": Nachdem die Wolkenkrieger Thujus und Aquila ihre Ausbildung beendet haben, will Thujus seine Eltern wiedersehen. Aber in Zwischental ist nichts mehr wie es war. Die Wolkenkrieger erkennen, dass sie mit einem Mal vor der großen Aufgabe stehen, die ihnen prophezeit wurde. Thujus gelangt nach Nordland und erfährt, dass die Norddiminuren einen gemeinen Plan ersonnen haben, um die Herrscher über ganz Linksrechtsobenunten zu werden.
Marie und eine riesige Armee von Diminuren begeben sich auf den Grünberg, um die Krapharen zu vertreiben. Doch dort erwartet sie eine böse Überraschung.


Leseprobe

Auszug Kapitel 1

Als Marie und Skarbi den Berg hinunter gingen, lag der Wald in eine dichte Wolkendecke gepackt und nur die Baumwipfel ragten heraus.
„Das ist ja wunderschön“, staunte Marie.
„Es wäre noch schöner“, entgegnete der Riese, „wenn alle Baumwipfel grün wären und es nicht so fürchterlich stinken würde!“
Ein paar der Spitzen hatten tatsächlich eine blassrote Färbung, was Marie erst jetzt bemerkte und ihr wehte ein bitter-süß-scharfer Geruch in die Nase. Sie kannte diesen Geruch, ihr fiel aber im Moment beim besten Willen nicht ein, woher. Sie kamen auf die Lichtung, auf der sie und Pietschie von den Drungas angegriffen worden waren. Der Boden war stellenweise mit einem dünnen, rötlich-braunen Belag bedeckt, der langsam einsickerte.
Der Bergmönch hielt sich die Nase zu. „Was könnte das sein? Buaah, wie das stinkt!“
Beim „Buaah“ des Riesen kam Marie endlich auf des Rätsels Lösung. Immer, wenn sie mit ihren Eltern und Max an einem frisch gedüngten Feld vorbeifuhren, machte ihr kleiner Bruder das gleiche Geräusch und hielt sich die Nase zu. Und genau dieser Geruch war es.
„Das ist Jauche“, bemerkte Marie.
Skarbi blickte fragend drein: „Das ist was?“
„Jauche, Skarbi“, erklärte sie, „Jauche wird zum Beispiel aus ..., naja, aus dem, was Kühe und andere Nutztiere ausscheiden, gewonnen. Damit düngen die Menschen ihre Felder.“
„Wie, was sie ausscheiden? Kacke?“
„Zum Beispiel“, antwortete sie.
„Pfui!“, spuckte der Riese aus. „Ich werde in eurer Welt kein Brot oder Gemüse mehr essen. Da vergeht einem ja alles!“
„Der Vorgang ist ganz natürlich“, erklärte Marie, die dies von ihrem Vater wusste, da er es Max jedes Mal, wenn es von den Feldern her stank, erklärte. „Die Jauche zieht in die Erde ein und die Wurzeln der Pflanzen entziehen ihr den Stickstoff als zusätzlichen Nährstoff. So wachsen sie besser. Sie nehmen also nicht direkt die Kacke der Tiere auf. Bei uns gibt es viel schlimmere Sachen, die auf den Feldern landen!“
„Ja, aber es wird trotzdem Kacke auf die Pflanzen gegeben, pfui, pfui, pfui“, er schüttelte sich.
„Aber du isst doch auch Krummbeeren“, sagte sie.
„Ja, natürlich, aber ich dünge sie nicht mit Hirschkacke.“
„Du vielleicht nicht, aber was ist, wenn sich ein Hirsch genau deinen Krummbeerenstrauch als Klo ausgesucht hat?“
„Iiiihhh“, sagte er entsetzt, „daran hab ich ja noch nie gedacht.“
„Und genau diesen hättest du dir zum Pflücken ausgesucht, weil er besonders dicke Beeren hätte. Ich frage mich nur, warum die Kraphare den Wald düngen“, überlegte sie, „wollen sie ihm beim Wachsen unterstützen?“
„Wenn ja, meinen sie es ziemlich gut mit ihm“, sagte der Riese. „Wenn ich drüber nachdenke, habe ich den Geruch in letzter Zeit schon ziemlich oft wahrgenommen, nur nicht so stark. Ich schlafe gerne lang und es könnte sein, dass der Geruch schon etwas abgeklungen ist, wenn ich aufstehe.“
Er lächelte und sagte mit einem verträumten Gesichtsausdruck: „Hm, schlafen ..., das wär jetzt schön!“
Plötzlich war ein riesiger Schatten auf der Wiese zu sehen und am Himmel flog ein gigantischer Kraphar mit einer Spannweite von gut vier Metern über die Lichtung. Sein durchdringendes Krächzen hallte im Wald wider und er entledigte sich eines dicken Haufens Krapharenkots, der direkt neben den zweien auf die Wiese platschte. Ein mächtiger Spritzer davon flog beim Aufprall hoch und Skarbi direkt ins Gesicht. Marie konnte sich gerade noch ducken, um nicht auch einen Spritzer abzubekommen.
„Buuuuuaaaahhhh“, brüllte der Bergmönch verärgert und der Kraphar krächzte noch einmal lang gezogen. Sein Schrei hörte sich am Ende an wie ein Lachen und er flog gen Norden davon.
„Verdammich, verdammich, verdammich!!!“ Der Riese war außer sich vor Ärger. „Wer hat diesem schwarzen Ungetüm nur sein Benehmen beigebracht? Oh, wenn ich dich erwische!“ Er winkte dem Kraphar mit der geballten Faust hinterher. Marie kämpfte schwer mit sich, um ihr Lachen zu unterdrücken. Während der Riese noch ausgiebig weiter fluchte, fielen ihr seine Worte vor der Krapharenkacke-Attacke wieder ein. Wenn er diesen Geruch schon öfter bemerkt hatte, hieß das, die Kraphare hatten schon mehr Jauche auf den Waldboden gebracht. Sie erinnerte sich daran, wie sie mit ihrem Vater im Garten Pflanzen gedüngt hatte und er sie darauf hingewiesen hatte, nicht zu viel Dünger zu nehmen.
„Ich weiß, was die Kraphare machen“, verkündete sie und der Riese unterbrach abrupt seine Flüche.
„Wie bitte?“ Er blickte sie fragend an, sah dann noch mal gen Himmel und zog die Augenbrauen nach unten. Laut rief er: „Seuchenvogel, soll dich der Vagahr holen!“
Seine Stimme wurde mit einem Mal wieder nett und sanft. „Warte bitte einen Augenblick, bevor du mir erzählst, was sie machen.“ Er ging ein Stück zurück und drückte zwei große Felsen auseinander. Unter ihnen sprudelte frisches Quellwasser hervor und er wusch sich angewidert sein Gesicht. Dann stand er auf und ging auf sie zu.
„Was sagtest du, Marie?“, fragte er ruhig und mit brummender Stimme und den Blick gen Himmel gerichtet fuhr er fort: „Schwarzes Scheusal, ich werd‘ dir jede deiner Federn einzeln rausrupfen!“
„Ich sagte, ich weiß, was die Kraphare machen. Sie übersäuern den Waldboden“, erklärte sie, und ihr fiel noch etwas ein und sie murmelte: „Deshalb gibt es auch keine Regenwürmer mehr im Waldboden.“ Der Riese sah nicht so aus, als würde er verstehen, was sie meinte.
„Sie machen was?“
„Wenn man die Pflanzen düngen will, um ihnen zu helfen, darf man nicht zu viel Dünger in den Boden bringen. Zu viel davon übersäuert den Boden und die Pflanzen und Lebewesen in der Erde können dann sogar davon sterben!“
Skarbi packte mit seiner Pranke in die Erde und steckte sie in den Mund. Er spuckte sie im nächsten Moment wieder aus. „Puah! Das schmeckt aber nicht sauer, das schmeckt ekelig“, sagte er angewidert.
Marie sah Skarbi stirnrunzelnd an. „Ich habe dir doch gerade gesagt, was die Kraphare auf den Waldboden aufgebracht haben und nun steckst du dir die Jauche direkt in den Mund?!“
Skarbi sah sie erschrocken an und rannte schleunigst wieder zu der Quelle im Fels.
Ich wüsste, dachte Marie indes, was man dagegen unternehmen kann.
„Wir vertreiben die Kraphare“, sagte Skarbi kampfeslustig, als er zurückkam und spuckte noch einmal kräftig aus.
„Ich denke, das müssen wir auf jeden Fall tun“, stimmte sie zu. „Aber das wird noch nicht reichen. Wir müssen den Boden wieder in Ordnung bringen, sonst zerstört das den ganzen Wald! Und wenn es stark regnen sollte vielleicht auch die Felder im Tal. Aber ich weiß nicht wie ...“ Sie grübelte und grübelte.
„Wenn ich auch etwas dazu sagen dürfte“, drang eine seltsam voluminöse, traurig klingende Stimme aus dem Wald. Die beiden drehten sich erschrocken um.
Ein Schatten bewegte sich langsam durch die Bäume auf sie zu. Der riesige Bergmönch ging in Kampfstellung, als ein schlanker Mann, der vielleicht einen halben Meter maß, zum Vorschein kam. Er hatte einen schwarzen Anzug mit weißen Nadelstreifen an und hielt einen Gehstock mit goldenem Griff in der Hand. Auf seinem Kopf saß ein riesiger, schwarzer Zylinder. Seine langen, schwarzen Haare schauten unter dem Hut hervor und seinen Mund zierte ein schwungvoll gezwirbelter Schnauzbart. Unter seiner Weste glänzte eine große, goldene Gürtelschnalle. Das einzige, was Marie an seiner durchaus eleganten Erscheinung störte, waren ein paar abgetragene, braune Lederstiefel.
„Pilzbarth!“, rief Skarbi erfreut. „Pilzbarth Tjockerson! Wo sind deine Leute? Selten, dass man dich allein antrifft.“
Der kleine Mann ließ den Kopf hängen und fing an zu erzählen: „Meine Männer sind ausgezogen, um eine neue Heimat zu suchen. Unsere Untertagespilzzucht ist eingegangen. Das stinkende Zeug, das die Kraphare hier verteilt haben, ist direkt durch den Fels gelaufen und hat alle Pilze vergiftet. Auch die Dunkelrüben sind nach und nach eingegangen. Unsere ganze Lebensgrundlage ist dahin.“
Skarbi sah ihn erschrocken an. „Das ist ja furchtbar! Haben sie dich zurückgelassen, weil sie dir die Schuld dafür geben?“
„Mitnichten! Was für eine Frage! Ich bin natürlich hier geblieben, um den Schatz zu bewachen“, sagte Pilzbarth leicht aufgebracht.
„Oh ... äh, natürlich“, entgegnete der Riese. „Wie konnte mir sowas nur einfallen?!“
Der kleine Mann deutete auf Marie und sagte: „Nun, sei’s drum. Wer ist das hübsche Menschenkind neben dir, mein alter Freund?“
„Oh, Verzeihung“, ging Skarbi auf Pilzbarths Frage ein, „das ist Marie. Ich habe sie zusammen mit einem Diminuren vor ein paar übelgelaunten Drungas gerettet.“ Marie nickte dem kleinen Mann zu und Skarbi fuhr an sie gerichtet fort. „Und das ist Pilzbarth Tjockerson. Der König der Kabaukauchen und Hüter der Bergkristalle.“
„Sehr erfreut, Euer Majestät“, sagte sie beeindruckt und machte einen Knicks.
„Oh“, entgegnete der König etwas verlegen, „so förmlich sind wir hier nicht, Marie. Nenn mich einfach Pilzbarth, das macht hier jeder!“ Er zwinkerte ihr zu.
„Wenn ich fragen darf“, fuhr sie fort, „was ist denn ein Kabaukauch? Sind sie so etwas wie ein Klaubauter ...?“
„Oh nein, Marie“, unterbrach Skarbi sie erschrocken, aber es war schon zu spät. Der kleine König sah sie wutentbrannt an und seine voluminöse Stimme veränderte sich zu einem verzerrten Schreien: „Ich bin ein was?“ Seine Augen waren mit einem Mal blutrot unterlaufen, und Marie dachte, Dampf aus seinen Ohren entweichen zu sehen. Sein Gesicht wurde ebenfalls dunkelrot und aus seinen weißen Zähnen wurden gelbe, spitze Hauer. Der Sabber, der ihm aus dem Mund tropfte, flog Marie mit jedem einzelnen, geschrieenen Wort ins Gesicht. Sie bekam es beim Anblick des verwandelten Königs mit der Angst zu tun.
„Was fällt dir ein, du dummes Menschengör, mich mit einer solchen Ausgeburt an Dummheit und Hässlichkeit zu vergleichen?“ Er knurrte und sah sie bedrohlich an.
„Sie weiß es doch nicht besser!“, energisch ging der Bergmönch dazwischen. „Sie wusste bis vor Kurzem nicht einmal, dass es Kabaukauchen, Bergmönche, Diminuren geschweige denn Linksrechtsobenunten überhaupt gibt.“
„Ach so, sag das doch gleich“, sagte Pilzbarth völlig entspannt und im nächsten Augenblick stand er wieder als der adrette Kaubaukauchenkönig vor ihnen. Einen weiteren Augenblick später wurde er von einem schreienden, Knüppel schwingenden Diminuren angesprungen und landete hart auf dem Boden.
„Lass sie zufrieden, du ekelhaftes Untier“, schrie Pietschie aufgebracht. Er saß auf dem Kabaukauchen und holte mit der Keule aus, als sich dieser wieder in den unheilvollen, geifernden Berserker von eben verwandelte. Blitzschnell glitt er unter Pietschie hervor und packte ihn am Hemdskragen und Hosenboden. Er hob den Diminuren hoch, sodass er hilflos in der Luft herum zappelte.
Der König fragte mit seiner veränderten Stimme: „Was willst du halbe Portion vom König der Kabaukauchen?“
Boing ! ! !
Pietschie hatte seinem Gegner den Knüppel über den Kopf gezogen und landete auf seinem Allerwertesten. Der Kabaukauch hatte ihn fallen gelassen und ging selbst zu Boden. Skarbi ging dazwischen und packte die beiden. Er hob sie zwischen Daumen und Zeigfinger an ihren Jacken in die Höhe – den Diminuren an der rechten, den Kabaukauch an der linken Hand. Beide tobten, wobei dem König Qualm aus Ohren und Nase schoss.
„Pilzbarth, beruhige dich“, sagte der Bergmönch. „er hat geschworen, auf die Kleine aufzupassen. Er tut nur seine Pflicht. Das ist der Diminur, der gegen die Drungas gekämpft hat.“
Tjockerson war schlagartig wieder der alte König und in ruhigem Tonfall sagte er: „Tatsächlich? Na, dann ist es ja kein Wunder, dass er auf mich losgeht. Welch ein mutiges Kerlchen.“
Pietschie hingegen war alles andere als ruhig und rief wutentbrannt: „Wen nennst du hier ein Kerlchen?“
Skarbi hielt ihn in Richtung Marie, die sofort verstand, weswegen.
„Pietschie“, sagte sie, so gelassen es ihr in der befremdlichen Situation möglich war, „beruhige dich!“ Der Diminur war zwar noch sehr aufgebracht, aber ihre Worte zeigten doch Wirkung und er schnaufte nur noch einmal. Skarbi ließ die beiden herunter.
„Drungas also“, begann der König, „was machen die hier oben?“ Er sprach, als ob nichts passiert wäre, aber Maries Vertrauen in den kleinen Mann war mehr als angeknackst. Sie hatte Angst, dass er im nächsten Augenblick wieder zu diesem furchteinflößenden Monster werden könnte. Auch Pietschie behielt seinen Knüppel in der Hand.
„Das habe ich mich auch schon gefragt“, sagte Skarbi, dem auch nichts mehr anzumerken war. „Seltsame Dinge passieren hier!“
Pilzbarth nickte nachdenklich. „Und was macht ein Diminur auf dem Berg? Der einzige, den ich je hier oben gesehen habe, war der Weltenwanderer.“
 Marie und Pietschie sahen sich an und sagten aufgeregt im Chor: „Der Weltenwanderer?“
Pietschie schob hinterher: „Was weißt du über ihn?“
„Nicht so viel“, sagte Pilzbarth lachend, „er war ja ständig unterwegs!“ Skarbi stimmte mit in sein Lachen ein.
„Also hat es ihn tatsächlich gegeben“, erkannte Pietschie begeistert, „was ist aus ihm geworden?“
„Ich weiß es nicht“, gab Pilzbarth zu. „es ist lange her, dass ich mit Feuerbart geredet habe.“
„Hat es einen bestimmten Grund, warum er Feuerbart heißt?“, fragte Marie .
„Ja“, antwortete Skarbi, „wie dir ja sicherlich schon aufgefallen ist, haben alle Diminuren rote Haare. Aber die Haare und der Bart dieses Diminuren waren so feuerrot, dass er nur diesen Namen tragen konnte.“
„Kanntet ihr ihn gut?“, wollte Marie weiter wissen.
„Nun ja, so gut man jemand kennen kann, der mal hier und mal dort ist“, antwortete Pilzbarth. „Aber zwischen seinen Reisen führten wir oft lange Gespräche über hier und da. Erinnerst du dich, Skarbi?“
„Oh ja! Und er brachte mir auch oft Sachen aus der Menschenwelt mit, wenn ich wieder mal was vergessen hatte ...“ Der Riese lachte ein grunzendes, verschämtes Lachen.
„Vor seiner letzten Reise war er sehr aufgeregt“, berichtete Pilzbarth. „Er sagte, er hätte jemanden kennengelernt und wenn mich meine Augen nicht täuschten, sah ich eine Verliebtheit in seinem Blick ...“ Er verstummte und sein Blick nahm einen traurigen Ausdruck an. „Das war das letzte Mal, dass ich ihn gesehen habe.“
„Verliebt?!“ Marie schien die Vorstellung sehr zu gefallen und ihr Gesichtsausdruck erhellte sich. „Oh, ist das romantisch! Hat er mehr über sie erzählt?“ Pilzbarth räusperte sich und wischte sich eine Träne aus dem Auge.
„Ich denke, wir haben jetzt wichtigeres zu bereden, als über ein Techtelmechtel des Weltenwanderers.“ Schnell kam er wieder auf den Punkt. „Die Kraphare scheinen irgendeinen Plan mit der Verunreinigung des Bodens zu verfolgen und ich wüsste einen Weg, ihn wieder zu reinigen.“ Marie, Skarbi und Pietschie blickten ihn überrascht und erwartungsvoll an. „Wir brauchen Kalk“, sagte er.
Pietschie sah ihn fragend an. „Verunreinigter Boden? Kalk?“
Maries Gesichtsausdruck hellte sich abermals auf, denn sie hatte schon denselben Gedanken gehabt. „Ja, das würde den Boden entsäuern und so den Pflanzen helfen.“
„Wie entsäuern?“ Pietschie war ja noch beim Frühstück gewesen, als Marie und Skarbi ihre Erkenntnisse erlangt hatten. Also erklärte Marie dem Diminuren, was sie in Erfahrung gebracht hatten. Bei ihren Erzählungen wurde er zusehends wütender und am Ende rief er: „Worauf warten wir noch? Lasst uns den Kalk auf dem Berg verteilen und dann diese Biester vertreiben.“
Er wollte sofort aufbrechen, aber Pilzbarth stoppte seine Überschwänglichkeit mit den Worten: „Junger Diminur, wenn das alles so einfach wäre, hätten wir das schon längst getan. Es gibt in ganz Grünland und dem Grüngebirge aber nicht ansatzweise ausreichend Kalk, um dem Boden zu helfen. Und um die Kraphare zu vertreiben, bräuchten wir eine Armee von mindestens tausend Mann oder einen Wolkenkrieger. Es sind unendlich viele und drei von ihnen sind so riesig wie der, der unserem Freund Skarbi gerade seinen Haufen vor die Füße geworfen hat!“ Der Bergmönch senkte wieder wütend die Augenbrauen.
Marie musste grinsen, bevor sie nachdenklich bemerkte: „Woher sollen wir denn eine Armee bekommen?“
„Nun, da wüsste ich etwas“, sagte Pietschie entschlossen und die anderen sahen ihn gespannt an. „Wir Diminuren sind ein friedliebendes Volk. Aber was zu viel ist, ist zu viel! Und glaubt nicht, dass wir wehrlos sind!“
„Das stimmt, ich hab den kleinen Helden kämpfen sehen“, bestätigte Skarbi seine Aussage.
„Aber wie willst du so eine große Armee zusammen kriegen?“, fragte Marie erstaunt. „Die Männer im Dorf allein reichen niemals aus.“
„Ich werde dem Rat von den Krapharen und ihren offensichtlichen Absichten erzählen und ihr werdet sehen, wie schnell alle Dörfer und Oberwaldstadt ihre Leute entsenden“, antwortete er stolz und ohne jeglichen Zweifel.
„Ich könnte euch als Berater dienen“, warf Pilzbarth ein. „Wir haben auch gegen die Kraphare gekämpft, nur leider waren wir nicht genug, um sie zu besiegen.“
Pietschie nickte ihm dankbar und kampfeslustig zu. „Das ist ein Angebot, das der Rat nicht ausschlagen wird – dafür werde ich sorgen.“
„Gut soweit“, mischte sich der Bergmönch ein, „mit einer Armee von Diminuren, einem Kabaukauchenkönig, einem Menschenkind und meiner Wenigkeit sollten wir das Problem mit den Krapharen bald gelöst haben. Aber da wäre noch ein anderes. Wir müssen den Boden reinigen! Der Wald und die Pflanzen im Tal brauchen ebenso unsere Hilfe!“
„Aber woher bekommen wir nun den Kalk?“, fragte Pietschie und die anderen drei sahen ratlos aus.
„In Nordland gibt es Kalk“, murmelte der Kabaukauch vor sich hin. „Aber mit den Norddiminuren ist nicht gut Kirschenessen.“
Pietschie blickte ihn verdutzt an. „Wer sind denn die Norddiminuren?“
„Na, das sind die Diminuren, die im Norden leben“, antwortete Pilzbarth.
„Es gibt aber nur in Grünland Diminuren, nicht im Norden“, sagte der Junge verwirrt.
„Oh, doch“, entgegnete der Kabaukauch, „ich hatte schon mit ihnen zu tun. Nicht die beste Erfahrung, die ich in meinem Leben gemacht habe.“ Er verzog das Gesicht.
Plötzlich blickte Marie, die angestrengt nachgedacht hatte, auf und unterbrach die beiden: „Ich weiß, woher wir Kalk bekommen.“
„Woher?“ Pietschie, Pilzbarth und Skarbi sahen sie gespannt an und sie erklärte: „In unserer Stadt wird eine alte Burg restauriert. Ihr Gemäuer wurde aus Sandstein gemauert und mein Papa hat mir erzählt, dass sie für ihren Mörtel Zement und Sand mit Kalk mischen. Die haben davon säckeweise!“
„Oh Marie, du bist mein Lieblingsmensch“, gab Skarbi erfreut von sich.
„Und meiner erst!“, fügte Pietschie hinzu.
„Na, aber meiner auch!“, hörte man von Pilzbarth.
Pietschie nahm seinen Stein aus der Tasche, legte Maries Hand auf seine linke, Skarbis auf seine rechte Schulter und deutete Pilzbarth an, den Kreis zu schließen.
„Aber ... aber mein Schatz ...“ Pilzbarth fuchtelte wild in der Luft herum, weil ihm etwas eingefallen war.
„Keine Panik! Ich werde dafür sorgen, dass ihn niemand anrührt“, sagte Skarbi und begann eine wundervolle Melodie zu pfeifen. Mit einem Mal waren über den Vieren hunderte von Waldvögeln zu sehen. Der Bergmönch sprach in einer unverständlichen, melodiösen Sprache zu den Vögeln und sie schwirrten in alle Richtungen aus. Keine fünf Sekunden später zogen drei riesige, grunzende Wildschweineber an ihnen vorbei. Skarbi rief ihnen erfreut ein paar unverständliche, diesmal nicht ganz so wohlklingende Laute hinterher, während von rechts ein mächtiger Hirsch an ihnen vorbei preschte.
„Dein Schatz bleibt dein Schatz! Dafür sorgen meine Schätze“, sagte Skarbahana Erolf Wolperchek vom Berg und Marie wurde mit einem Mal klar, warum Skarbi diesen Namen trug. Er war wirklich der Herr des Berges.
„Na, worauf warten wir dann noch?“, rief Pilzbarth, fasste Maries Arm und legte Skarbis Hand auf seine Schulter. Der Kreis war geschlossen. „Danke“, flüsterte er Skarbi zu.
Marie blickte zufällig nach oben und entdeckte über ihnen wieder den roten Falken, der einen Augenblick später ins Nichts verschwand. Sie schüttelte ungläubig den Kopf, während Pietschie in die Runde blickte und bedächtig die Worte sagte: „Bak to meen Hemat helgon Ston ...“
2. Die letzte Prüfung
Die nächsten Wochen ihrer Ausbildung verbrachten Thujus und Aquila mit Kampf- und Flugübungen. Der Unterricht war aufregend und machte ihnen zusehends mehr Spaß, obwohl ihre Lehrer noch ernster schienen als zuvor. Thujus und Aquila merkten aber, dass sich die harte Zeit vom Beginn ihrer Ausbildung nun auszahlte. Die Übungen mit dem Schwert gingen Thujus, dank der aufgebauten Muskeln, leicht von der Hand und er war beweglicher denn je. Auch Aquila fiel der ständige Kampfflug viel leichter. Die beiden wurden in ihren Ausführungen immer besser und leichtfüßiger beziehungsweise leichtflügeliger .
An einem regnerischen Tag sollten die Schüler in den höheren Berglagen nach den beiden Lehrern suchen. Als Aquila am Ende eines Hangs angekommen war, schwebte Halatos plötzlich vor ihnen. Blitzschnell ging er zum Angriff über und rammte seinem jungen Gegner den mächtigen weißen Kopf gegen die Brust. Aquila krümmte sich vor Schmerzen und Thujus musste sich am Sattel festhalten, um nicht abgeworfen zu werden. Er zog an der rechten Richtungsfeder des Adlers und der drehte ab. Er breitete die Flügel aus und fing seinen Sturz ab. Thujus griff unter die Flügel und massierte die Stelle, an der er getroffen worden war.
„Ist schon gut“, sagte Aquila, „das kriegt er zurück!“
Die Alten kamen im Sturzflug hinter den beiden her. Sie flogen keinen Klafter über dem Boden, als Thujus mit einem Mal beide Richtungsfedern nach oben zog. Aquila stieß in die Höhe und drehte eine Pirouette, wodurch sie sich jetzt direkt über den Verfolgern befanden. Er stieß Halatos seine gekrümmten Klauen gegen das Hinterteil. Der alte Adler kam ins Straucheln und streifte mit dem Bauch den Boden. Sequo wurde dadurch aus dem Sattel geschleudert und konnte sich im letzten Moment an einem Lederband festhalten. Er zog sich zurück, landete unsanft im Sattel und stöhnte laut auf. Halatos hatte Probleme, seinen Absturz wieder in geregelte Bahnen zu bekommen und flog taumelnd bergab.
Den beiden Schülern brannte beim Anblick ihrer Lehrer das Gewissen und sie flogen ihnen langsam nach. Als sich der alte Adler wieder gefangen hatte, setzte er zur Landung an. Aquila und Thujus setzten ebenfalls neben ihm auf.
„Verdammichter Wurmdung!“, schimpfte Sequo. „Was war denn das?“
„Bleib ruhig, alter Freund“, sagte Halatos besänftigend. „Das war ein außergewöhnliches Manöver. Wären wir in einem echten Kampf gewesen, hätten uns die beiden wohl besiegt.“
„Ach papperlapapp, das war nur stümperhaftes Glück, mehr nicht!“ Die Verärgerung des Alphrims war nicht zu überhören.
„Es tut uns leid“, fing Thujus an, sich und seinen Freund zu entschuldigen.
Doch der alte Adler fiel ihm ins Wort: „Wenn sich jemand entschuldigen muss, sind wir das, junger Wolkenkrieger. Ihr seid in eurer Kampfkunst sehr weit fortgeschritten und wir konnten trotz unserer Erfahrung nicht mithalten.“ Er sah die beiden ernst an. „Das ist das erste Mal in der Geschichte der Wolkenkrieger, dass zwei Schüler ihre Lehrer zu Fall gebracht haben. Das ist ausgesprochen ungewöhnlich und wirklich beeindruckend. Ich hatte von Anfang an das Gefühl, dass ihr zwei etwas Besonderes seid. Es warten große Aufgaben auf euch und ich bin mir nun ganz sicher, dass ihr sie bewältigen werdet. Für gewöhnlich dauert die Ausbildung der Wolkenkrieger mehrere Jahre. Ihr seid nach diesen wenigen Monaten nun schon so weit, wie Sequo und ich nach drei Jahren.“
„Nun übertreib mal nicht“, warf der alte Alphrim ein, „das Jungchen muss noch einiges lernen.“
„Sequo“, sagte der Adler wieder mit besänftigender Stimme, „du bist, ob des Schulungszaubers, wieder so stark wie zu deiner besten Zeit und der Junge schlägt dir das Schwert bald mit Leichtigkeit aus der Hand. Warst du so stark und geschickt nach so kurzer Zeit?“
Der alte Alphrim drehte abtuend aber nachdenklich den Kopf zur Seite und Halatos fuhr fort: „Wir müssen bei den beiden weiter vorne ansetzen. Wir führen den Unterricht fort, aber wir werden ihn verkürzen. Sie lernen so schnell, dass es ein Leichtes für sie sein wird, die fünf Jahre unserer Ausbildung in zweien oder weniger zu schaffen. Du musst zugeben, dass sie gut sind.“
Sequo stimmte zaghaft nickend zu und murmelte: „Dann wollen wir den Sieg unserer beiden Helden doch zumindest gebührend feiern.“ Sein nachdenkliches Gesicht hellte sich auf. „Ich hätte da noch eine Flasche eines uralten Weines, der schon seit langem auf die richtige Gelegenheit wartet, geöffnet zu werden! Und für euch zwei hat Lerissa sicherlich noch einen leckeren Saft in der Hütte.“
Die vier machten sich auf den Rückweg zu Halatos Hütte, in deren Tür Lerissa schon mit der Flasche Wein in der Hand auf die Ankömmlinge wartete. Die beiden Reiter stiegen aus den Sätteln und setzten sich auf die Bank vor der Hütte.
„Beizeiten musst du mir einiges über dich erklären, Lerissa“, sagte Thujus verdutzt. „Woher wusstest du, dass Sequo den Wein trinken wollte?“
„Intuition“, sagte sie und stellte drei Tonbecher auf den Tisch. Sie goss Sequo und sich von dem Wein ein und neben Thujus' Becher stand ein Krug Krummbeersaft. Auch für die beiden Adler hatte sie schon vorgesorgt, vor ihnen standen zwei große Schüsseln, der eine gefüllt mit Krummbeersaft und der andere mit einer leichten Weinschorle.
„Auf die jungen Wolkenkrieger und ihre weisen Lehrer“, sagte Lerissa, die sich nun gänzlich in eine wunderschöne, junge Frau verwandelt hatte.
„Ich denke auch, du solltest unseren jungen Wolkenkriegern etwas über dich erzählen ...“, sagte Sequo.
„Ja“, bemerkte sie, „das sollte ich wohl tatsächlich tun.“
Thujus und Aquila blickten sie erwartungsvoll an.
Sie neigte den Kopf zur Seite, strich sich eine Strähne ihrer Haare aus dem Gesicht und fing an: „Ich weiß nicht mehr genau, wann ich geboren wurde. Ich weiß nur, dass der Eintopf, den der erste Wolkenkrieger aß, aus meinem Topf stammte. Mein Volk ist älter als das der Menschen und der Alphrime zusammen. Die Welt, in der wir lebten war dem Untergang geweiht und nur eine Handvoll von uns konnte diesem Schicksal entfliehen. Wir retteten uns nach Linksrechtsobenunten und verweilten einige Zeit hier. Bis drei von uns auszogen, um die Menschenwelt kennenzulernen. Zwei von ihnen entschlossen sich dazu, dort zu bleiben, von dem dritten haben wir nie wieder gehört. Meine Schwester und ich blieben hier, trennten uns aber nach einer Weile. Nach einer langen, einsamen Reise gelangte ich auf diesen Berg. Von meiner Schwester habe ich ebenfalls nie wieder etwas gehört.“
Sie senkte traurig den Kopf.
Thujus hätte sie am liebsten in den Arm genommen, um sie zu trösten, traute sich aber nicht, diesen Schritt zu wagen. Er versuchte stattdessen, sie mit einer Frage abzulenken: „Wie kommt es, dass du so alt und doch so jung bist?“
Lerissa blickte auf und lächelte ihn an. „Mein Volk wird die Evubachén genannt, wir sind Phöniker. Nach einer erfüllten Lebensaufgabe altern wir, um uns dann mit Beginn der nächsten wieder zu verjüngen. Wir sind bestrebt, im nächsten Leben all die Fehler aus den vorherigen nicht noch einmal zu begehen. Manche mögen das weise nennen, ich nenne es harte Arbeit!“ Sie lachte während Thujus sie bewundernd ansah.
„Und woher wusstest du das mit dem Wein?“, wollte er wissen.
„Auch du hast eine Gabe, die dir so manche Vorahnung beschert, nicht wahr? Du bist in eine Welt gelangt, in der es nicht nur links, rechts, oben und unten gibt. Hier gibt es viele Zwischenräume und andere Wege, als du sie aus Zwischental kennst. Du wirst auf deinem zukünftigen Weg noch einige mehr davon kennenlernen.“ Lerissa zwinkerte ihm zu und Aquila meldete sich zu Wort: „Wie hast du die ersten Wolkenkrieger kennengelernt?“
„Nachdem meine Schwester und ich uns getrennt hatten, irrte ich anfangs ziellos umher, bis mich irgendetwas zu diesem Berg hier zog. Als ich diese Ebene erreicht hatte, entdeckte ich Grysa. Der riesige, alte Adler saß auf einem Nest und brütete ein einzelnes Ei aus. Obwohl er eine wirklich beeindruckende Erscheinung war und ich ihn zum ersten Mal sah, verspürte ich keinerlei Furcht, ganz im Gegenteil. Ich fühlte mich, als wäre ich dort angekommen, wo ich immer hingehört hatte. Grysa fühlte ebenso und erzählte mir, dass er eines Tages den Drang verspürte, Montusa zu verlassen. Als er hier in Steilland ankam, wurde er ebenfalls wie magisch von diesem Berg angezogen. Er stieß hier auf das Nest mit dem Ei darin und erkannte sofort seine Aufgabe. Er setzte sich, ohne weiter darüber nachzudenken darauf und brütete es aus. Als das Küken geschlüpft war, gaben wir ihm den Namen Haisam und zogen es auf. Als einige Jahre ins Land gezogen waren und Haisam zu einem stattlichen Adler herangewachsen war, verspürte er plötzlich den Drang, in die Welt hinaus zu ziehen, um einen Gefährten zu finden. Er sagte, es liege eine Aufgabe vor ihm und er bräuchte dabei die Hilfe eines großen Kriegers. Und wie schon zuvor hatten Grysa und ich wieder eine seltsame Eingebung, die uns sagte, dass er dies tun musste. Also ließen wir ihn ziehen. Nach Monaten kam er zurück und auf seinem Rücken saß ein junger Alphrim wie du, sein Name war Abia.“
Thujus blickte Lerissa überrascht an.
„Ich kenne diesen Namen“, erkannte er, „meine Mutter hat mir und meinen Freunden als Kinder immer die Märchen des Kriegers Abia erzählt.“
„Nun“, sagte Lerissa, „in den meisten Märchen steckt auch immer ein Fünkchen Wahrheit, man muss es nur finden. Er und Haisam waren die ersten Wolkenkrieger und sie kämpften in einem Krieg, der halb Linksrechtsobenunten verwüstete. Aber am Ende besiegten sie die feindliche Armee von Bes´chbes´chier aus dem Unterland, die vom niederträchtigen König Vachmu angeführt wurde.“
„Ja“, sagte Thujus aufgeregt, „der böse König Vachmu und seine Bes´chbes´chier! Wir haben als Kinder oft die Kämpfe von Abia gegen Vachmu auf den blauen Pferdeweiden in Urag nachgespielt. Aber über einen Montusaadler hat nie jemand ein Wort verloren ...“
Halatos neigte den Kopf: „Die Geschichte eines Volkes, das einen Krieg gewonnen hat, wird auch von diesem Volk geschrieben oder weitergegeben. Und was passt weniger in eine heroische Geschichte über einen Sieg der Alphrime als die Hilfe eines anderen Volkes oder besser eines mächtigen Wesens?! Vielleicht haben die ersten, die ihren Nachfahren von Abias Sieg berichteten, noch erwähnt, dass ihm ein riesiger Adler geholfen hat. Aber die nächsten fanden diesen Teil der Geschichte irgendwann wohl nicht mehr ganz so erwähnenswert, bis er dann vergessen war. Alphrime, genauso wie Menschen und Diminuren, vergessen leider sehr, sehr schnell ...“
„Ich glaube, ich könnte noch so einen Becher vertragen“, bemerkte Sequo und schenkte sich nach.
„Und manche Alphrime denken lieber an einen Becher Wein, als dass sie sich mit ihrer Geschichte auseinandersetzen ...“, bemerkte Halatos und verdrehte die Augen. Sequo indes nahm einen großen Schluck aus seinem Becher und blickte den Rest des roten Gesöffs darin verliebt an. Die vier mussten lachen und Sequo blickte auf.
„Was ist?“ Er hatte Halatos‘ Aussage gar nicht wahrgenommen. „Was ist so witzig?“
„Nichts, nichts“, antwortete Halatos, „trink deinen Wein.“
...

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