Samstag, 3. Juni 2017

Leseprobe von Charly Essenwanger



Heute habe ich eine Leseprobe für Euch von
Charly Essenwanger.

Sein erstes Kriminal-Drama *First to find*, hat mir schon ausgesprochen gut gefallen, für ein Debüt.

Demnächst erscheint sein zweiter Krimi, Cover und Titel stehen zwar schon (fast) fest, aber der Autor hüllt sich in Schweigen. Sei es ihm gegönnt, aber trotzdem war er bereit mir eine kleine Leseprobe (Prolog und Kapitel 1) zuzusenden, die ich nun mit Euch teilen möchte.



Prolog

Kein Licht war in den Häusern der Nachbarschaft im Kaufbeurer Stadtteil Neugablonz zu sehen, niemand hielt sich auf den Straßen auf, als drei dunkel gekleidete Gestalten gebückt und flott unter einem Schild durchliefen, auf dem Herzlich Willkommen stand. Kein Wort wurde untereinander gewechselt. Eine der Gestalten steuerte direkt die Nordwestecke an und nahm geduckt Stellung ein, die zweite Person lief zur südwestlichen Ecke, während der Dritte über den Rasen zur Rückseite des Hauses lief. Am Eingang angekommen, hob der offensichtliche Anführer ostentativ den Arm und sah auf die Uhr. Es war genau 3:30 Uhr. Die beiden anderen Gestalten sahen ebenfalls auf ihre Uhr und nickten ihrem Boss zu. Aus seiner Hosentasche holte der Rädelsführer ein Lockpickingset hervor, besah sich den Schließzylinder, wählte einen Spanner und einen passenden Hook aus. Er schob den Spanner in das Schloss und mit der anderen Hand den Hook. Konzentriert fühlte er, wie sich die kleinen Nadeln im Schloss bewegten und spürte schließlich befriedigt, wie sich der Spanner bewegte. Eine Sekunde später öffnete sich mit einem leisen Klicken die Tür und schwang einige Zentimeter auf. Er hob den Arm mit gerecktem Daumen, die beiden Wachposten blickten sich noch einmal kurz um, sicherten sich ab, dass niemand sie bemerkte, brachen ihre Stellung ab und liefen ebenfalls auf die Hintertür zu. Aus einem Busch holte eine Gestalt den großen Rucksack hervor, den sie am Tag zuvor deponiert hatten und kurz darauf waren die drei im Treppenhaus des Gebäudes. Nach einem letzten sichernden Blick schloss der Anführer nahezu unhörbar die Tür.
Gleichzeitig nahm das Trio die schwarzen Sturmhauben ab, die sie nach dem Kartfahren in der vergangenen Woche einbehalten hatten und stopften sie sich in die Hosentasche. Zum Vorschein kamen junge, männliche Gesichter. Während der Anführer mit seinen etwa 20 Jahren eine natürliche Autorität ausstrahlte, waren seine beiden Kumpane eher in die Kategorie ‚Milchgesichter‘ einzustufen. Bei den Jüngeren konnte man nur raten, ob sie schon ein Auto fahren dürften. Mit großen Augen warteten die beiden Jugendlichen auf neue Anweisungen ihres Bosses.
„Hoch in den Dachboden und gemäß unserer Abmachung strategisch aufteilen. Du Jonas, gehst auf die linke Seite, Felix, du zur rechten, ich mach die Mitte. Los, Ausführung!“, flüsterte David mit Betonung.
In dem Bewusstsein, dass seine Anhänger ihm folgen würden, lief David zügig, aber möglichst Geräusche vermeidend, die zwei Stockwerke bis zum Dachboden hoch. Sein Lockpicking-Werkzeug konnte er hier in seiner Tasche belassen, die Tür war unverschlossen. Jonas, der den Rucksack trug, stellte diesen auf den Boden und ohne dass gesprochen wurde, nahm jeder ein rotes, kompaktes Paket heraus, dazu noch eine Taschenlampe und begaben sich zu ihren zugeteilten Platz. Schnell öffneten sie ihre Pakete und pulten die Grillanzünder heraus. Der Dachstuhl war optimal für ihre Zwecke, das Dach war nicht verkleidet und komplett aus Holz. Zudem wurden hier oben einige Stühle, Tische und zur Freude der drei etliche Ordner mit alten Akten, die sich hervorragend eignen würden als Brandbeschleuniger.
Schnell waren die weißen Würfel verteilt. David ließ seine Kumpane antreten. „Männer, wir machen heute etwas, das diese Stadt aufrütteln wird. Wir lassen es uns nicht mehr bieten, dass immer mehr von diesen Asylanten zu uns kommen und unsere Arbeitsplätze, unser Geld und unsere Frauen wegnehmen. Das ist ein Zeichen an die Verantwortlichen, diese Wirtschaftsflüchtlinge sind nicht gewünscht und sollen sich in ihr Land verpissen. Deutschland soll den Deutschen gehören.“
Nach seiner kurzen Rede hielt David seinen ausgestreckten rechten Arm in die Mitte, die beiden Milchbärte legten ihren Arm obenauf und mit einem unterdrückten Ruf „Deutschland“ warfen die drei ihre Arme nach oben. Mit glänzenden, aufgeregten Augen sahen sie sich an, bis der Anführer in seine Hosentasche fasste und ein Sturmfeuerzeug hervor holte. Mit einem satten Kling ließ er mit einer Hand den Deckel aufschnappen und drehte einen Sekundenbruchteil später das Zündrad. Im Schein der kleinen Flamme sah das Trio dämonisch aus. Jonas und Felix holten ihrerseits ein billiges Plastikfeuerzeug aus ihren Taschen.
„Los gehtˋs!“, befahl David. Die drei begaben sich wieder zu ihrem Aufgabenbereich. Mit zitternden Händen wurde Würfel für Würfel angezündet und strategisch unter das Dach und zwischen die Dachsparren gestellt.
„Abhauen!“, gab David die Anweisung. Die Taschenlampen wurden in den Rucksack geworfen und von Jonas geschultert. Mit schnellen Schritten liefen die Brandstifter in das Erdgeschoß, öffneten die Tür und linsten durch einen Spalt. Die schwarze Sturmhaube wurde wieder aufgesetzt. Die Luft war rein, sie verließen das Gebäude und sprangen über den niedrigen Gartenzaun eines Nachbarn und waren schnell beim alten BMW von David angelangt, der in einer Parallelstraße des geplanten Asylbewerberheimes abgestellt war. Ohne Zeit zu verlieren wurde eingestiegen, die Türen leise geschlossen und mit unauffälliger Geschwindigkeit der Stadtteil verlassen. Auch wenn David den Drang verspürte, möglichst schnell vom Ort des Geschehens zu verschwinden, riss er sich zusammen und fuhr mit exakten 50 km/h nach Kaufbeuren hinab. Er steuerte mit seinen Jüngern seine kleine Wohnung in einem Hochhaus im Stadtteil Haken an.

In der unaufgeräumten Behausung angekommen, schritt David direkt auf den in der Küche deponierten Bierkasten zu und gab seinen Helfern jeweils eine Flasche in die Hand. Den Beteiligten war schwindlig vor Adrenalin und aufgekratzt wurden die Flaschen mit einem lauten Plopp geöffnet. Sie stießen an und tranken ihre Flasche in einem Zug aus um nach einem langgezogenen „Aaaahhhh“ direkt die nächste Flasche aus dem Kasten zu holen.
„Ist das geil, ist das geil, ist das geil“, sagte David immer wieder, begeistert davon, dass sein Plan bis hierher so gut funktioniert hatte. Die drei stimmten Jubellieder an und hüpften in der Wohnung hin und her, bis David plötzlich „Ruhe“, rief und in seiner Bewegung verharrte. Die beiden Jüngeren kamen abrupt zum Stillstand und sahen ihren Boss mit erschrocken großen Augen an. Sie lauschten und hörten schließlich, dass die Feuersirene in der Stadt ausgelöst wurde. Mit einem lauten Jubel fuhren die Brandstifter fort ihren sinnlosen Tanz aufzuführen, bis David wieder „Ruhe“, ausrief. Erneut wurde gehorcht, diesmal unverkennbar Martinshörner von Feuerwehrfahrzeugen. Die jungen Männer klatschten sich ab und feierten sich. Sie hatten es geschafft, dieses unsägliche Asylbewerberheim abzufackeln.


Kapitel 1

Kaufbeuren
In den frühen Morgenstunden des heutigen Sonntags, gegen 4:15 Uhr wurde der Notrufzentrale mitgeteilt, dass im eben fertig gestellten Asylbewerberheim im Stadtteil Neugablonz ein Brand ausgebrochen war. Obwohl die Feuerwehren aus Kaufbeuren und Umgebung schnell vor Ort waren, brannte der Dachstuhl des Gebäudes komplett aus. Ein Übergreifen auf die unteren Etagen konnten die Wehren mit vereinten Kräften verhindern. Ersten Informationen Zufolge brach das Feuer im Dachboden des noch unbewohnten Gebäudes aus. Menschen wurden dabei nicht verletzt. Der Schaden wird vorläufig auf über 300.000 € geschätzt. Ein Gutachten wird in den nächsten Tagen erstellt.
Ob das Feuer durch einen elektrischen Defekt oder vorsätzlich gelegt wurde, konnte zur Stunde nicht eingeschätzt werden. Ein fremdenfeindlicher Hintergrund konnte ebenfalls nicht ausgeschlossen werden.
Das Asylbewerberheim sollte in einer Woche in einer zeremoniellen Veranstaltung eröffnet werden. Es regte sich bei den Anwohnern großer Widerstand gegen dieses Heim, was zu dem Kompromiss führte, dass in dem Asylbewerberheim nur Flüchtlingsfamilien einquartiert werden sollten.erden sollenn einq

Es war schon Mittag, als er diesen Artikel auf all-in.de mit seinem Smartphone las. Ein leichtes Lächeln zeigte sich auf seinem Gesicht. Dieses Lächeln hätte vielleicht sympathisch gewirkt, wenn man nicht wusste, was er gerade las. Dieses Lächeln wurde zu einem Grinsen, je weiter er in dem Bericht weiter las. Er war einigermaßen begeistert davon, dass dieses Heim so dermaßen gebrannt hatte. Gut, es hat nur den Dachstuhl erwischt, aber hey, immerhin.
Diejenigen, die das zu verantworten hatten, dass dieses Heim gebrannt hatte, sollte sich mal schön selber an die Nase fassen. Hätte dieser Stadtrat nicht beschlossen, dass noch mehr Asylanten in die Stadt hergeholt werden, hätte das Haus auch nicht gebrannt.
Reicht es denn nicht schon, dass man seine Quote erfüllte, was die Aufnahme dieses Gesindels betraf? Musste man anderen Städten zeigen, wie toll dieses Kaufbeuren ist und eine Extraportion von südländisch wirkenden Einzelfällen herbeiholen? Hat man nicht schon genug Teddybären in das Asylantenrudel geworfen? Die Hände der Bahnhofsklatscher brannten förmlich vor Begeisterung, dass man diese armen, armen Menschen rein holte. Die lieber aus ihrem Land abhauten, statt sich zu bewaffnen und wehrhaft gegen ihre Angreifer antraten. Abhauen ist ja so viel einfacher und wer nimmt die auf? Tja, selber schuld. Dann muss halt etwas brennen um ein Zeichen zu setzen, dass wir dieses Pack eben nicht wollen!‘
Er wurde aus seinen Gedanken geholt, als er hörte, wie das Gehäuse seines Handys knirschte. Er hatte gar nicht bemerkt, dass er das Gerät so fest in seiner Hand hielt. Seine Knöchel der Finger traten weiß hervor und langsam lockerte er den Griff um das Gerät. In seiner Wut hätte er am liebsten das Smartphone in die Ecke der Küche geworfen, hielt sich aber zurück, so ein Gerät ist ja auch ziemlich teuer, auch wenn es nur diese ‚Reisfresser‘ gebaut hatten. Noch einmal las er den Bericht über den Brand durch und stellte sich nun die Frage, warum er denn so wütend geworden war, das war doch eine super Nachricht?!
Nun besser gelaunt ließ er noch einen Kaffee aus der Kapselmaschine in eine Tasse gurgeln. ‚Nichts gegen diese Maschinen, aber einen Krach machen die, das ist nicht feierlich‘, dachte er sich, nahm das Getränk, schüttete etwas Milch hinein und löffelte ordentlich Zucker dazu. Den Blick gedankenverloren aus dem Küchenfenster gerichtet, rührte er langsam und regelmäßig den süßen Kaffee um und nippte, immer noch auf die Stadt blickend, an dem Warmgetränk.
„Bäh, ist der süß“, sagte er angewidert zur Tasse. ‚Nichts gegen diese neuen Kaffeemaschinen, aber wirklich heiß war das Ergebnis nie‘, philosophierte er weiter in Gedanken. Daher machte er sich gerne auch mal einen löslichen Kaffee, mit schön kochendem Wasser. Dann musste man wenigstens auch pusten. Das vermisste er an seiner Kapselmaschine. Klar, haben ja auch ‚Reisfresser‘ gebaut. Er wischte sich den Mund ab und aß die Toastbrote mit Marmelade und Nutella. Nach dem Frühstück würde er mal nach Neugablonz hochfahren und sich selbst ein Bild von dem -ach so erschütternden- Anblick des Asylheimes machen. Wieder lächelte er fein und gleichzeitig diabolisch.
Doch bevor er sich auf den Weg machte, brauchte er unbedingt noch etwas anderes. Das Ganze hatte ihn nicht nur aufgeregt sondern auch angeregt. Er stellte den lauwarmen Kaffee ab, riss zwei Blätter von der Küchenrolle und begann schon mal seinen mächtigen Ständer zu befreien.


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Band 1 der Serie um den veganen Hauptkommissar Vincent Zeller

*First to find*

Kriminaldrama


Klappentext:
Kaufbeuren/ Allgäu - Siegfried Distl ist ein liebender Ehemann und Vater einer 15-jährigen Tochter. Gern geht er seinem Hobby, dem Geocaching, einer Art Schnitzeljagd mittels GPS, nach. Eines Tages trifft er bei einer Cachesuche seinen ehemaligen Freund, Jakob Muschke wieder, der ihn damals finanziell ruiniert hat. Die Arroganz und die Zurschaustellung seines Reichtums lässt bei Siegfried alte Wunden aufreißen. Die Wut auf seinen Widersacher steigert sich ins Unermessliche, bis er einen perfiden Plan schmiedet und Jakob durch Geocaching in eine Falle lockt und brutal ermordet. 
Die Kripo unter der Leitung des veganen Hauptkommissars Vincent Zeller tappt zunächst im Dunkeln, bis ein dramatisches Ereignis in der Kernstadt Kaufbeurens einen entscheidenden Hinweis gibt.


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